Die Grundlagen des agilen Projektmanagements

13.07.2020
Simon Hauzenberger

Agiles Projektmanagement fördert die kontinuierliche Prozessoptimierung. Die fortschreitende Digitalisierung erfordert von einzelnen Teams und ganzen Unternehmen neue Ansätze und Herangehensweisen. Wir müssen früher und schneller auf Veränderungen reagieren, um uns den Gegebenheiten des Marktes anzupassen und ihnen gerecht zu werden. Traditionelle Strukturen eignen sich dafür nur bedingt. Wir liefern in diesem Beitrag einen Überblick über die Grundlagen des agilen Projektmanagements, seine Werte und Prinzipien sowie die wichtigsten agilen Methoden, Techniken und Elemente.

Was ist agiles Projektmanagement?

Der Begriff "Agilität" findet sich heute in allen Lebensbereichen: Agiles Projektmanagement, ein agiles Mindset, agile Führung, agile Verhandlungen usw. Ohne agiles Projektmanagement geht nichts mehr. Was aber ist das eigentlich genau?

Der Startschuss für agiles Projektmanagement fiel vor vielen Jahren in der Software-Branche. Es war eine regelrechte Revolution, die da von Software-Entwicklern aus dem Silicon Valley gestartet wurde. Sie wollten eine produktivere und bessere Arbeitsweise, raus aus dem Silo, rein ins Getümmel, näher am Kunden.

Heute werden agile Methoden des Projektmanagements nicht nur in der Softwareentwicklung, sondern in fast allen Bereichen und Abteilungen eingesetzt, in der Produktentwicklung, im Marketing oder auch in der Prozessoptimierung.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Unterschiede zwischen dem klassischen und dem agilen Projektmanagement, um diese Revolution besser zu verstehen. Wo ist agiles Projektmanagement von Vorteil? Wo und wann ist der Ansatz des klassischen Projektmanagements besser?

Klassisches Projektmanagement bewegt sich von oben nach unten, wie ein Wasserfall. Die folgende Sequenz ist ein charakteristisches Beispiel des klassischen Projektmanagements:

https://vimeo.com/437069038/76541cb0aa

Auszug aus dem E⁠-⁠Learning "Agiles Projektmanagement / Grundlagen"

Agiles Projektmanagement vs. klassisches Projektmanagement

Es gibt also große Unterschiede zwischen den beiden Modellen hinsichtlich der Art und Weise, wie ein Projekt zu verwalten ist.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen den beiden Ansätzen liegt also in der Art und Weise, wie die Teams sich gegenseitig und ihre Aufgaben verstehen. Beim agilen Projektmanagement arbeiten die Teams selbständig und eigenverantwortlich. Die traditionellen Hierarchien, insbesondere die hierarchische Denkweise, gelten nicht. Es ist daher offensichtlich, dass wir vor der großen Herausforderung stehen, die traditionelle Teamorganisation und den klassischen Managementansatz auf den Prüfstand zu stellen.
Jetzt wird klar, warum der agile Ansatz anfangs als Revolution bezeichnet wurde. Tatsächlich erfordert agiles Projektmanagement ein völlig neues Mindset. Wir sprechen in diesem Zusammenhang auch von 'Agilen Werten' und 'Agilen Prinzipien'.

Die agilen Werte

Auslöser für die Entwicklung der Methode waren massive Probleme im Software-Entwicklungsprozess. Zwar stellten die Entwickler ihr Produkt irgendwann fertig, aber oft entsprach es dann überhaupt nicht den Vorstellungen des Kunden. Am Ende war die monate- oder sogar jahrelange Arbeit praktisch wertlos. Die Entwickler bestanden darauf, dass alles so umgesetzt wurde, wie es in den umfangreichen Funktions- und Anforderungsspezifikationen beschrieben und vereinbart worden war. Aber was nutzte es, wenn die Lösung nicht funktionierte? Was, wenn der ursprüngliche Anforderungskatalog schon vor langer Zeit von der Realität überholt worden war?
Die Software-Entwickler verstanden, dass sie ihre Projekte anders angehen mussten. Einige der fähigsten unter ihnen entwickelten das 'Agile Manifest'.

Um zu zeigen, dass das 'Agile Manifest' auf viele Bereiche anwendbar ist, wurde heute der Begriff 'funktionierende Software' durch 'funktionierende Lösungen' ersetzt. Dies ist es, was das 'Agile Manifest' heute zur Grundlage vieler agiler Arbeitsprozesse macht.

Das klingt alles recht einfach, hat aber weitreichende Konsequenzen. Wir betrachten es als eine Einladung, die ausgetretenen Pfade zu verlassen. Es reicht nicht mehr, die Dinge so zu machen, wie wir sie immer gemacht haben. Darüber hinaus haben die Bedürfnisse des Kunden jetzt eine viel zentralere Bedeutung. Vor allem werden die immer und überall vorhandenen Planänderungen nicht als Störung, sondern eher als Norm angesehen.

Übrigens, die agilen Werte, die in Snowbird 'lanciert' wurden, sind weder Gesetze noch Regeln. Dies kommt in der von den Gründern bewusst relativ gewählten Formulierung sehr gut zum Ausdruck. Die Formulierung lautet: "Individuen und Interaktionen über Prozesse und Werkzeuge". Es heißt nicht: "Individuen und Interaktionen sind wichtig. Prozesse und Werkzeuge sind unwichtig." Wir haben es mit einem Framework zu tun - mit anderen Worten: Leitplanken oder besser gesagt Leitprinzipien, die benutzt werden, um auf Kurs zu bleiben.

Am besten schaut man sich das https://agilemanifesto.org/
 mit diesem Hintergrundwissen noch einmal an. Betrachten Sie die einzelnen Werte als Orientierungspunkte für Ihr Handeln, nicht als eine Liste von Dos and Don'ts. Denken Sie darüber nach, ob Sie ein solches Framework in den Bereichen, in denen Sie arbeiten, nutzen könnten.

Die zwölf agilen Prinzipien

Die 'https://agilemanifesto.org/principles.html
wurden zusammen mit dem 'Agilen Manifest' während des legendären Treffens in Snowbird in den Rocky Mountains veröffentlicht. Wir sprechen von zwölf Prinzipien, die wir hier ausführlicher untersuchen werden:


  1. Unsere höchste Priorität ist die Zufriedenheit des Kunden durch frühzeitige und kontinuierliche Lieferung wertvoller Lösungen.

  2. Begrüßen Sie wechselnde Anforderungen, auch spät in der Entwicklung. Agile Prozesse machen Veränderungen für den Wettbewerbsvorteil des Kunden nutzbar.

  3. Wir liefern funktionsfähige Lösungen häufig, von ein paar Wochen bis zu ein paar Monaten, wobei wir kürzeren Zeiträumen den Vorzug geben.

  4. Fachexperten und Entwickler müssen während des gesamten Projekts täglich zusammenarbeiten.

  5. Projekte um motivierte Personen herum aufbauen. Geben Sie ihnen die Umgebung und Unterstützung, die sie brauchen, und vertrauen Sie darauf, dass sie ihre Arbeit erledigen.

  6. Die effizienteste und wirksamste Methode, Informationen an und innerhalb eines Entwicklungsteams zu vermitteln, ist das persönliche Gespräch.

  7. Funktionierende Lösungen sind der wichtigste Maßstab für den Fortschritt.

  8. Agile Prozesse fördern die nachhaltige Entwicklung. Die Auftraggeber, Entwickler und Benutzer sollten in der Lage sein, auf unbestimmte Zeit ein konstantes Tempo beizubehalten.

  9. Kontinuierliche Aufmerksamkeit für technische Exzellenz und gutes Design erhöht die Agilität.

  10. Einfachheit - die Kunst, die Menge der nicht geleisteten Arbeit zu maximieren - ist wesentlich.

  11. Die besten Architekturen, Anforderungen und Designs entstehen in selbstorganisierten Teams.

  12. In regelmäßigen Abständen denkt das Team darüber nach, wie es effektiver werden kann, und stimmt sein Verhalten dann entsprechend ab und passt es an.


Diese Werte und Prinzipien sind nicht in Stein gemeißelt. Vielmehr sind sie Leitlinien, an der Sie Ihre eigenen Unternehmens- und Teamwerte entwickeln und formulieren können.

Es ist klar, dass wir im agilen Projektmanagement vertraute Arbeitsabläufe und Prozesse aus einem anderen Blickwinkel oder einer anderen Sichtweise betrachten müssen.
Wenn es dann an die Umsetzung geht, kommen die agilen Techniken ins Spiel.

Techniken und Elemente des agilen Projektmanagements

Scrum

Scrum ist ein Framework aus dem Bereich des agilen Projektmanagements. Es zeichnet sich durch Iteration, kurze Feedback-Zyklen und eine klare Rollenverteilung im Team aus. Die Idee lässt sich in wenigen Worten erklären: weniger ist mehr. Scrum hilft Teams, Aufgaben in kürzerer Zeit und mit weniger Aufwand zu erledigen, um langfristig effizienter zu arbeiten. Ein Ziel ist es, die Projektarbeit zu rationalisieren, zu vereinfachen und zu verbessern.  Wie es funktioniert, was der Product Owner und der Scrum Master tun und welche Rolle die Entwickler spielen, erfahren Sie in diesem Überblick zu Scrum.

Kanban

Kanban unterstützt Sie dabei, Arbeitsprozesse schneller und effektiver zu gestalten. Auf einem Kanban-Board können Sie alle Arbeitsabläufe visualisieren und das Projekt in Teilaufgaben unterteilen. Warum Sie so schneller und effizienter zum Ziel kommen und weitere wesentlichen Informationen über Ursprung und Anwendungsbereiche der Methode, erfahren Sie in diesem E⁠-⁠Learning über die Kanban-Methode.

Ein agiles Mindset

Ein agiles Mindset findet man heute auch in traditionellen Unternehmen. Agilität erfordert mehr als nur das Abarbeiten von To-Do-Listen.  Worum es dabei genau geht, welche Probleme die agile Zusammenarbeit löst und wo sie hinein passt, erfahren Sie in diesem Beitrag über das agile Mindset.


Haben Sie Ihr Mindset schon erkundet? Dabei unterstützt Sie unser http://7272069.hs-sites.com/agiles-mindset-workbook
:


Design Thinking

Design Thinking ist ein Ansatz, um Probleme zu lösen und neue Ideen zu entwickeln. Letztendlich geht es darum, Ideen zu finden, die zur kreativen Lösung von Problemen und Herausforderungen oder zur Entwicklung innovativer Strategien oder neuer Produkte sowie zur Erschließung neuer Geschäftsfelder genutzt werden können. Erfahren Sie hier mehr zu Innovation durch Design Thinking.

Die Grundlagen schaffen mit Pink University

Sie wollen den Einstieg ins agile Projektmanagement wagen? Wir unterstützen Sie gerne. Pink University bietet die passende digitale Weiterbildung für ihr Personal – auch individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten!

Das sind die Lernziele des E⁠-⁠Learnings über agiles Projektmanagement in der Praxis:

  • Grundlagen und Vorteile des agilen Projektmanagements verstehen

  • Eigene Werte und Prinzipien für die agile Vorgehensweise definieren

  • den typischen Ablauf im agilen Projektmanagement verstehen und in Grundzügen anwenden

  • Einsatzmöglichkeiten des agilen Projektmanagements kennen

Fordern Sie als Personalverantwortliche/r einen Testzugang an, Anruf oder Mail genügen. Rufen Sie an unter: +49 89 5 47 27 84 10 oder schreiben Sie an: kontakt@pinkuniversity.de.

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