Agiles Mindset - Hype oder Notwendigkeit?

15.04.2020
Kerstin Boll

Selbst Traditionsunternehmen haben inzwischen ein agiles Mindset. In einem Unternehmen in der Nachbarschaft arbeitet man jetzt nicht mehr in "Projektgruppen", sondern in "Leidenschaftsgruppen".


Was immer man davon halten mag: Agilität verlangt mehr als das Abarbeiten von To-Do-Listen. Doch worum geht es konkret? Welche Probleme löst die agile Zusammenarbeit? Wo passt sie hin?

„Command and Control“ an der Grenze

Über Jahrzehnte waren Unternehmen in einem "Command and Control"-System hierarchisch organisiert: Die Vorgesetzten gaben die Aufgaben vor, die Mitarbeiter arbeiteten sie ab. Inzwischen haben sich viele Märkte jedoch in einem Umfang verändert, dass die hierarchischen Organisationsformen an ihre Grenzen stoßen. In Zeiten von Unsicherheit und Unberechenbarkeit sind sie zu starr und zu unflexibel. Die Unternehmen müssen sehr viel schneller auf die Veränderung am Markt reagieren. Zugleich sind die Märkte unübersichtlich geworden. Kein einzelner Kopf ist noch in der Lage, die Situation allein zu überblicken und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Führungskräfte, die ihre Aufgabe nach traditionellem Vorbild erfüllen wollen, sind überfordert.

Aufbruch mit Freude, Motivation und Freiheit

Bei der Diskussion um ein agiles Mindset geht es darum, vertraute Rollenmuster, Vorbilder und Strukturen durch neue zu ersetzen.

Zwischen dem Anerkennen des Notwendigen und der Umsetzung in die Praxis liegt ein vollständiger Wandel der Arbeits- und Kommunikationskultur. Die Unternehmen haben einen gewaltigen Entwicklungsschritt vor sich. Der agile Coach Peter Kottenhagen liefert folgende Definition:

"Ein agiles Mindset ist

1. die innere Einsicht, dass Veränderung jederzeit und überall allgegenwärtig ist und nicht verhindert, sondern höchstens ignoriert werden kann. Der Grund dafür ist das Design des Raumes, in dem wir existieren. Es führt dazu, dass sich, solange sich die Elementarteilchen bewegen und nicht stillstehen, ausnahmslos alles in permanenter Bewegung und gegenseitigem Austausch befindet. Aus diesem Grund ist alles einem permanent stattfindenden Anpassungs- und Veränderungsprozess unterworfen, dem sich ausnahmslos nichts entziehen kann.

2. die Erkenntnis, dass nicht kleinteilige Kontrolle und Druck Geist und Leistung beflügeln, sondern dass dies vielmehr durch EntspannungFreudeMotivation und Freiheit, sowie durch AnerkennungWertschätzungTeilhabe und Begegnung auf Augenhöhe erreichbar ist."

Ein agiles Mindset - ein Arbeitsmodell für Komplexität, Veränderlichkeit und Unsicherheit

Die Agilität hat ihren Ursprung in der Software-Entwicklung. Die Software-Spezialisten schmiedeten detailreiche Pläne für neue Produkte und investierten viel Zeit und Energie in die Entwicklung. Schließlich mussten sie häufig feststellen, dass die Kunden und Auftraggeber mit dem Ergebnis unzufrieden waren.

Gesucht war deshalb ein flexibler Ansatz, der das Lernen im Projekt von vornherein einschließt. Denn weder die Entwickler noch die Kunden und Auftraggeber wissen zum Start im Detail, wie die Lösung aussehen wird. Sowohl die Entwickler wie auch die Auftraggeber lernen im Entwicklungsprozess. Nach und nach ändern sie ihre Erwartungen und passen ihre Anforderungen an. Die agile Arbeitsweise denkt diesen Anpassungsprozess mit und sorgt für laufende Abstimmung zwischen den Beteiligten.

Komplexe Probleme, Veränderlichkeit, Unsicherheit: Diese Arbeitsbedingungen sind in vielen Unternehmen heute an der Tagesordnung, weshalb die Agilität die Grenzen der Informationstechnologie längst übersprungen hat und in vielen Bereichen eingesetzt wird.

Agiles Mindset: Wunschdenken und Missverständnisse

Ist das agile Arbeiten deshalb die Methode der Wahl in jedem Bereich und unter allen Bedingungen? Dort, wo übersichtliche und stabile Aufgaben in Kombination mit Sicherheit an der Tagesordnung stehen, ist das fraglich.

Dennoch sehen sich die Unternehmen damit konfrontiert, dass Mitarbeiter die agile Arbeitsweise einfordern. Mit dem Begriff verbinden sich Wünsche wie Kreativität, Spaß, Ausprobieren sowie Gemeinschaft.

Wenn Menschen dasselbe Wort benutzen, jedoch unterschiedliches meinen, lassen Probleme nicht lange auf sich warten.

"Im agilen Management-Ansatz geht man davon aus, dass Ziele und Inhalte NICHT vollständig planbar sind. Ein großes Missverständnis ist aber, dass in agilen Projekten gar nicht geplant wird. Der Unterschied besteht allerdings darin, dass Projekte als kontinuierlicher Lern- und Entwicklungsprozess betrachtet und angegangen werden."(Stefan Hagen, Projektmanagement-Profi)

Gute Köpfe, gute Kommunikation, gutes Management und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen, bleibt auch im agilen Umfeld der Schlüssel zu herausragenden Lösungen. Die Kreativität der Mitarbeiter zu entfesseln und die Freude an der Arbeit zu stärken, ist Teil des agilen Mindsets. Doch die Mitarbeiter sind zugleich stark gefordert.

Neun zentrale Werte für ein agiles Mindset

Mitarbeiter, die sich auf das agile Arbeiten einlassen, dürfen sich freuen - hat sich doch ihr Status im agilen Setting deutlich verbessert: In der Hierarchie war der einzelne Mitarbeiter ein Rädchen im Getriebe. In der Agilität darf er sich als "aktiver und wesentlicher Teil der Lösung" sehen (Peter Kottenhagen).

Wie Sie auf wissenschaftlicher Basis das richtige Mindset finden können, erfahren Sie bei echometer in einer https://echometer.de/agile-mindset-1/
.

Wenn Sie persönlich oder in Ihrem Team das agile Mindset fortentwickeln wollen, achten Sie auf die folgenden Werte. Die beigefügten Fragen helfen Ihnen zu verorten, wo Sie stehen und wo Entwicklungspotential liegt.

Commitment steht für die Bereitschaft, sich auf ein gemeinsames Ziel zu verpflichten und alles dafür zu geben, dieses Ziel zu erreichen. Wie stehen Sie zu den Unternehmenszielen / Projektzielen? Kennen Sie diese Ziele? Sind sie explizit ausgesprochen? Können Sie Außenstehenden begeistert davon berichten, was Sie tun?

Vertrauen ist die Voraussetzung für fruchtbare Zusammenarbeit - zwischen Kollegen und in der Zusammenarbeit mit Kunden. Vertrauen ist eine positive Erwartung für die Zukunft, die auf guten Erfahrungen in der Vergangenheit beruht. Spüren Sie Vertrauen seitens Ihrer Mitarbeiter, Kollegen und der Führungskräfte? Durch welche Handlungen zeichnet sich dieses Vertrauen aus? Falls Sie kein Vertrauen spüren: Woran zeigt sich fehlendes Vertrauen?

Einfachheit bedeutet: Prozesse und Gewohnheiten hinterfragen und sie gründlich entschlacken. Haben Sie jemals alle Prozesse in Ihrem Umfeld daraufhin untersucht, ob sie so einfach wie möglich gestaltet sind? Gibt es Prozesse und Abläufe, die so sind, weil sie schon immer so waren? Lassen sich diese Hindernisse aus dem Weg räumen?

Feedback fördert die persönliche Entwicklung ebenso wie die Entwicklung von Unternehmen und Projekten. Das agile Mindset erleichtert das Lernen aus Feedback, indem es die Aufmerksamkeit auf den Feedbackprozess selbst erhöht.

  • Beherrschen Sie die Methoden, um konstruktives Feedback geben zu können?

  • Beherrschen Sie die Methoden, um Feedback annehmen zu können?

  • Wissen Sie, wie Sie auf Ihre Kollegen wirken?

Ein klarer Fokus ist wichtig, um auch bei Schwierigkeiten und Hindernisse auf dem Weg zu Ziel zu bleiben. Wissen alle im Team und wissen Sie selbst, worauf Sie den Fokus richten sollten? Arbeiten Sie im Team mit klaren Prioritäten? Gibt es Rückzugsorte für konzentriertes Arbeiten?

Mut bedeutet, sich in neue Situationen zu begeben oder Entscheidungen zu fällen, ohne alles zu wissen. Mut ist immer dann gefragt, wenn ein Scheitern oder Fehler möglich sind und man es dennoch tut.

  • Haben Sie in letzter Zeit eine Entscheidung getroffen, die mutig war?

  • Wie waren die Erfahrungen, nachdem Sie eine mutige Entscheidung getroffen haben?

  • Respektieren Sie den Mut anderer?

Offenheit meint die Bereitschaft, Neues wahrzunehmen und das Wissen darüber mit anderen zu teilen.

  • Wann haben Sie zum letzten Mal etwas Neues ausprobiert?

  • Teilen Sie selbst alle Informationen und alles Wissen, das für andere wichtig sein könnte?

  • Kommen Sie problemlos an alle für Sie wichtigen Informationen in Ihrem Unternehmen?

Kommunikation bildet die Grundlage dafür, dass Prozesse und Entwicklungen transparent werden. Nur so kommen die Beteiligten in die Lage, mitzudenken und eigene Sichtweisen einzubringen.

  • Wissen Sie, in welche Richtung Ihr Unternehmen unterwegs ist?

  • Wissen Sie über die Arbeit Ihrer Kollegen Bescheid?

  • Räumen Sie, Ihre Teammitglieder, Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzte der Kommunikation und dem Austausch untereinander den entsprechend hohen Stellenwert ein?

Respekt bedeutet, anderen vorurteilsfrei zu begegnen und ihre Sichtweisen und Anliegen ernst zu nehmen.

  • Ist der Umgang mit Kunden durch Respekt und Wertschätzung geprägt?

  • Wünschen Sie sich anderes Verhalten als das, das Sie derzeit erleben?

  • Welche Möglichkeiten nutzen Sie, um den respektvollen Umgang untereinander zu fördern?

Spaß und Spannungen garantiert

Ein agiles Mindset setzt große persönliche Reife voraus. Ob Mitarbeiter oder Führungskraft: In einem agilen Setting benötigen die Beteiligten ausgeprägte kommunikative Fähigkeiten und die Bereitschaft, miteinander zu reden. Sie müssen sich frei machen von der Idee, alles Wichtige bereits zu wissen. Stattdessen brauchen Sie Offenheit, Lernfreude und Kritikfähigkeit. Jeder trägt Verantwortung für sich, das Team und das Projekt und muss sich aktiv einbringen.

Möchten Sie den Leitfaden zur Entwicklung eines agilen Mindsets herunterladen? Klicken Sie hier zum Download:

Agiles Mindset: herausfordernd und notwendig

Doch was heißt das? Die Unternehmen haben kaum eine Wahl. Das Aufkommen der Agilität ist kein Zufall, sondern die Antwort auf die Entwicklungen der Gegenwart.

Wie setzen Sie Agilität in Ihrem Unternehmen um?

Werfen Sie hier einen Blick in unser E⁠-⁠Learning "Agiles Mindset entwickeln".

Fordern Sie als Personalverantwortliche/r einen Testzugang an, Anruf oder Mail genügen. Rufen Sie an unter: +49 89 5 47 27 84 10 oder schreiben Sie an: kontakt@pinktum.com.

"Ein agiles Mindset ist ein Mindset, das die Veränderungen durch die Digitalisierung wirklich verstehen und in eine angemessene Handlung übersetzen kann." (Svenja Hofert, Management- und Karriereberaterin)

Quellen